Klaus Motorrad Blog

Touren, Bilder und Tips

Immer wieder Ostern

Es ist grau und ungemütlich, als ich wieder einmal den Entschluss fasse, über Ostern mit dem Motorrad in den Süden zu fahren und das herbeigesehnte Frühlingswetter zu genießen. Schnell hat meine Frau für sich einen Flug nach Pisa und den Rückflug dann aus Rom gebucht. Damit steht das Reiseziel fest: Es geht nach Italien.Enem kurzen Zwischenstopp im Allgäu nutze ich, um bei herrlichem Winterwetter das letzte Mal in dieser Saison Ski zu fahren. Danach geht es bei strömendem (Schnee)Regen und 2° hinauf auf den Brenner. Wie jedes Jahr, dann die Erleichterung: Ab Brixen hört der Regen auf und in Bozen scheint die Sonne bei 17°Meine neue KTM hat sich auf der ersten Etappe als äußerst komfortabel herausgestellt. Die Alukoffer von RMS sind perfekt für das Motorrad optimiert. Das berüchtigte Pendeln bei schneller Autobahnfahrt mit viel Gepäck ist ausgeblieben und die schmale Bauweise ist hier in Italien ideal um dem Vorbild der anderen Motorrad- und Rollerfahrer zu folgen und an wirklich jedem Stau vorbei zu fahren.Inzwischen scheint die Sonne und schnell habe ich das Zelt auf meinem Lieblingscampingplatz mitten in Malcesine aufgebaut. Danach genieße ich südliche Stimmung und natürlich die frische Renke aus dem See.Es ist kurz vor Ostern, aber noch wurde der Gardasee nicht von den Touristen okkupiert. Dennoch öffnen bereits die ersten Galerien und Souveniershops. Bei allem Kitsch ist das folgende Bild doch ein nettes Beispiel dafür, wie fröhlich und harmlos der Zweiradverkehr in Italien in früheren Zeiten war. Bei der heutigen Hektik wünscht man sich diese Zeiten manchmal zurück. Auch wenn ich keinen Moment die 150 Pferdchen meiner KTM vermissen möchte ;)Bei herrlichem Sonnenschein geht es am nächsten Morgen weiter. Eigentlich schade, diese herrliche Landschaft schon wieder zu verlassen und die monotone Po-Ebene zu durchqueren. Aber Morgen früh landet Martina in Pisa und bis dahin muss ich noch etliche Kilometer fahren.Dafür erwartet mich bei der Auffahrt ins Appenin ein Highlight, das ich bislang immer achtlos links liegen gelassen habe: Canossa. Die Burg, wo König Heinrich IV vor den Mauern warten musste, bis ihn der Papst empfing und den Kirchenbann aufhob. Ein Ort von großer geschichtlicher Bedeutung. Heute eine verfallene Burg in einer herrlichen Landschaft mit perfekten Motorradstrecken.Als ich in Canossa aufbreche, stelle ich mit Entsetzen fest, dass es schon fast 17 Uhr ist. Bis Pisa sind es noch gut 160 Kilometer über den Abetone Pass. Eine herrliche Motorradstrecke mit hunderttausend Kurven. Wegen der Uhrzeit entscheide ich mich aber, die etwas kürzere Strecke nach La Spezia zu nehmen und von dort die Autobahn nach Pisa. Auch hier unendlich viele Kurven. In den Bergen wird es kalt. Knapp über Null und dann kommt Nebel hinzu. Sichtweiten unter 50 Meter. Es ist schon dunkel, als ich endlich auf der Autobahn bin. Dann die Enttäuschung. Am Meer sind noch alle Campingplätze geschlossen. Mir bleibt nichts übrig als das einzige Hotel in einem fast verlassenen Ort zu nehmen und dann auch noch eine fast ungenießbare Pizza zu bekommen. Eine neue Italien-Erfahrung.Pisa ist wie immer. Oder doch nicht? Alle Roller und Motorräder parken auf den dafür vorgesehenen Plätzen. Mir scheint das mit dem ganzen Gepäck etwas eng und so stelle ich mich einfach auf den Bürgersteig. Sofort werde ich angesprochen und aufgefordert einen ausgewiesenen Parkplatz zu nehmen. Noch eine neue Italien-Erfahrung.Ansonsten ist aber alles beim Alten. Der Turm steht noch, er ist immer noch schief und immer noch machen Besucher aus aller Herren Länder die unglaublichsten Verrenkungen um zu einem Photo zu kommen, wo sie den kippenden Turm festhalten. Apropos Photos: Die Renner bei den Straßenhändlern sind dieses Jahr "Selfiesticks" und überall sieht man die Leute herumstehen und sich selbst fotografieren. Eigentlich kann man stundenlang hier stehen und sie beobachten.Aber es gibt auch den ruhigen Teil von Pisa. Das Studentenviertel, der Bereich am Arno, moderne Kunstwerke, wie hier am Flughafen und viele nette Bars in denen man das Leben genießen kann.Inzwischen ist Martina angekommen und wir fahren weiter nach Süden. Weit wollen wir heute aber nicht mehr fahren sondern lieber den Sommertag genießen. Als wir an unserem Tagesziel in Castiglioncello ankommen, ist auch der Sturm, der in den letzten Tagen in Deutschland die Bahn lahmgelegt und Bäume entwurzelt hat, angekommen. Es ist immer noch sonnig und warm, aber das Meer tobt. Hoffentlich hält sich das Wetter. Die Vorhersagen im Internet wechseln ständig, aber so schön, wie noch vor wenigen Tagen vorhergesagt, wird es wohl nicht bleiben.Es ist kühl, als wir am nächsten Morgen durch das Tal des Cecina nach Volterra fahren. Jetzt im Frühjahr ist hier alles grün. Und wieviele Grüntöne es gibt! Die Straße ist gut gepflegt und hat schöne Kurven. Hier darf die KTM zeigen was sie kann. Mit zwei Personen und vollem Gepäck fällt sie fast von selbst in die Kurven und fährt wie auf Schienen. Einfach toll. Toll ist auch die mittelalterliche Stadt Volterra. Die Ursprünge liegen in etruskischer Zeit. Hoch oben auf einem Berg gelegen, schaut man auf die typisch toskanische Landschaft mit ihren Gehöften und Zypressen bestandenen Wegen. Und erst die Lebensmittelgeschäfte. Überall strömt ein köstlich kräftiger Geruch heraus und die Auslagen sind kleine Kunstwerke. Für uns als Motorradfahrer dann noch eine Kuriosität: Ein Gasdrehgriff für die Klospülung.Auf dem Weg nach Massa Marittima ist die Toskana dann so, wie man sie man sie von Bildern kennt. Einzelstehende Gehöfte, Zypressen und Olivenbäume prägen die Landschaft. Speziell für uns Motorradfahrer interessant: Kurven, Kurven, Kurven. Und das schönste: Kein Verkehr weit und breit. Es ist schon wieder genau das richtige Terrain für die KTM. Fast hat man das Gefühl, dass sie mit Gepäck und Sozia noch leichter durch die Kurven schwingt. Dazu das Frühjahr, das überall seine Spuren zeigt und auch hier die Landschaft in tausend unterschiedlichen Grüntönen präsentiert. Wir genießen jede Sekunde der Fahrt und in Massa Marittima geht der Genuß weiter. Allerdings in Form von Aperol Spritz und einem hervorragendem Mittagessen mitten auf dem großen Platz bei strahlendem Sonnenschein.Als die Kinder klein waren, haben wir häufig in Castiglione della Pescaia Urlaub gemacht. Jetzt waren wir länger nicht hier und sind gespannt, wie sich der Ort entwickelt hat. Wären nicht auf dem Weg dorthin unendlich viele Kreisel gebaut worden, könnte man denken, alles sei so, wie es immer war. Leider ohne jegliche Beschilderung. In Follonica muss ich das erste Mal auf dieser Tour die Karte auf meinem Handy bemühen um wieder heraus zu finden. Als wir in Castiglione ankommen, ist dafür wirklich alles beim Alten. Die gleichen Geschäfte, die gleichen Bars und Restaurants und vor allem die unvergleichliche Urlaubsstimmung. Irgendwo zwischen hektisch und total ruhig. Castiglione liegt am Rande der Maremma. Diese topfebene Landschaft ist umrahmt von reizvollen Bergen und Hügeln. Die auffälligsten Erhebungen wurden schon vor Jahrtausenden von den Etruskern besiedelt und überall finden sich Relikte aus dieser Zeit. Bevor wir am nächsten Morgen weiter nach Süden fahren, besuchen wir Roselle. Es ist eine dieser etruskischen Städte, die bis in Mittelalter besiedelt waren und deren Ausgrabungen immer noch beeindrucken. Insbesondere die gewaltige Stadtmauer und die oben auf einem Hügel gelegene Zisterne machen einem deutlich, dass auch damals schon gewaltige technische Leistungen möglich waren. Ein Besuch lohnt sich!Es ist ziemlich warm geworden und der Rundgang um das Ausgrabungsgelände war eher eine kleine Wanderung. Da fällt es nicht wirklich leicht die Motorradjacke anzuziehen und es muss sofort etwas Fahrtwind her. Also ab auf die 4-spurig ausgebaute SS1 (Aurelia), die hier in dieser wunderbaren Landschaft dennoch ein Genuß ist. Bei Orbetello biegen wir zum Monte Argentario ab und machen eine gemütliche Pause in Porto San Stefano.Danach wird es richtig heftig. Die Inselumrundung wartet auf etlichen Kilometern mit einer Schotterstrecke auf, die es in sich hat. Nicht wirklich schlimm, aber es macht Spaß die KTM mal etwas herauszufordern, auch wenn wir zu zweit und mit viel Gepäck unterwegs sind.Der nächste Tag beginnt mit einem wolkenverhangenem Himmel. Der Wetterbericht verheißt nichts gutes. Wir beschließen daher so schnell wie möglich nach Rom zu kommen. Aber es klart auf und wir können Tarquinia einen Besuch abstatten. Hoch oben auf einem Hügel gelegen, wirkt diese alte Etruskerstadt schon von der Ferne beeindruckend. Und erst von Innen! So viele Wohntürme haben wir noch nirgends gesehen. Oder das riesige Schlüsselloch. Oder .....  Man spürt die Jahrtausende alte Geschichte der Stadt bei Schritt und tritt.Nach einem Cappucino machen wir uns wieder auf den Weg. Über herrliche Motorradstrecken mit gut ausgebauten Straßen und unendlich vielen Kurven geht es über den Lago Bracciano schließlich nach Rom. Auf dem Weg sehen wir mitten im Wald noch einige Etruskergräber und schauen sie uns an.Leider wird das Wetter wieder schlechter, doch es regnet (noch) nicht. Es ist ziemlich kühl als wir Bracciano erreichen. Die Mittagspause mit einem köstlichen Essen dauert daher etwas länger als geplant. Als wir wieder auf der Straße kommen regnet es. Und nicht nur das. Auf der anderen Seite des Sees beginnt der Großstadtverkehr. Regen und Stau. Dazu Kopfsteinpflaster. Die schönsten Bedingungen zum Motorrad fahren :( Wir das erstbeste Hotel und machen uns zu Fuß auf den Weg durch die Stadt. Es regnet, aber fast macht es Spaß die wenigen unerschrockenen Besucher mit Regenschirm dem Wetter trotzen zu sehen. Rom ist immer wieder eine tolle Stadt. Historische Bauwerke und Ruinen wechseln sich ab mit netten Restaurants. Auf der einen Seite mondäne Modehäuser, daneben Geschäfte für den täglichen Bedarf. Aber es zieht uns weiter. Ein Tag Großstadt reicht und wir möchten unbedingt noch das Umland erkunden, bevor Martina wieder nach Hause fliegt und ich noch ein Stück weiter nach Süden fahre. Aber wir haben die Rechnung ohne die Osterurlauber gemacht. Alle Sehenswürdigkeiten, wie die Villa Adriana in Tivoli, sind von Menschenmassen überrannt. Das müssen wir uns nicht antun und flüchten uns in das ländliche Umfeld der Millionenstadt. Innerhalb von Minuten ändert sich das Bild. Verlassene kleine Orte, unbewohnte Burgen, kurvige Straßen. Kurz ein Bikertraum.Soweit der erste Teil der Ostertour. Morgen früh geht es alleine weiter, da Martina wieder zurück fliegt. Bei Gelegenheit werde ich auch darüber schreiben. Dabei geht es nach Pompeji, Herculaneum, Paestum und Monte Cassino. Dazwischen wunderbare Motorradstrecken. Mal schauen, wann ich Zeit finde. Hoffentlich bals

Zum Nachmachen: Oster-Kurztrip Südfrankreich-Italien

Irgendwie waren die letzten Wochen anstrengend. Jede Menge Arbeit, die anstehende Kommunalwahl und vieles mehr. Da muss mal etwas Entspannung her und so habe ich gestern Abend den Entschluss gefasst, einfach ein paar Tage mit dem Motorrad in den Süden zu fahren. Irgendwie finde ich: Tapetenwechsel = Entspannung.

Die Route war auch schnell klar. Das Allgäu und die Alpen sind zugeschneit, so dass sich das Rhonetal als Alternative anbietet. Von Bonn also zuerst durch die Eifel und an der Mosel entlang bis nach Metz, danach ein wenig Autobahn bis Lyon. Ab da durch die Provence und weiter an der Cote d'Azur entlang bis CinqueTerre bei La Spezia. Dann zum Gardasee und über Bayern zurück nach Hause. Mal sehen, was mich so alles auf der Tour erwartet. Morgen früh, also am Samstag den 19. April werde ich starten, und am 27. April wieder in Bonn eintreffen. [Mehr]