Sommertour 2014

4 Wochen und 8.000 Km durch Südosteuropa

Detailplanung und Reisevorbereitung

Planung und Vorbereitung
Der Gedanke zu der Fahrt kam mir, als ich zum Geburtstag im letzten Jahr eine Landkarte von Rumänien geschenkt bekam. Ehrlich gesagt, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nichts über dieses Land. Weder über seine Topographie noch über seine Menschen. Aber schon die ersten Recherchen im Internet zeigten, dass es wohl ein Motorradparadies ist. Tolle Gegend, herrliche Kurven, Schotterstrecken, freundliche Menschen. Kurz gesagt, alles was man sich als Motorradfahrer so wünscht. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, umso interessanter wurde eine Tour dorthin.

Eines hatten alle Berichte gemeinsam: Das häufig unbeständige Wetter in den Karpaten. Aber da bietet die Routenplanung von Google Maps ja eine Lösung: Sind doch nur ein paar Kilometer ans Meer. Und wenn man dann schon mal da ist, kann man doch auch nochmal eben die paar Kilometer nach Istanbul fahren. Klar, dass dann der Rückweg über Griechenland führt, da hat man dann auch den wirklich warmen Süden. Kein Problem, passt alles noch auf den Bildschirm und sind auch nur 7.000 Kilometer. Ist doch problemlos machbar!


Das Team

Soweit der Gedanke. Es geht an die Planung und von Tag zu Tag steigt die Spannung. Ich kann die Abfahrt kaum erwarten. Mitfahrer sind auch schnell gefunden. Mein Sohn Jan (BMW R80/7) sagt sofort zu und ist begeistert. Genau die richtige Aktion nach dem Abitur. Als ich von den Plänen im Freundeskreis erzähle, schließt sich sofort noch Bernhard (BMW F650)  an. Das Team ist vollständig, größere Gruppen sind auf solchen Touren zu unflexibel.

 

Vater und Sohn beim Schrauben                                                       Bernhard, wie man sieht, auch Pirat


Die Motorräder
Viele Berichte über Rumänien und Albanien betonen die schlechten Straßenverhältnisse und die häufigen Schotterstrecken. Auch wenn es vielleicht gar nicht so schlimm ist, holprig wird es auf alle Fälle. Ich beschließe daher, mit der Enduro (G 650 Sertao) zu fahren. Im Nachhinein genau die richtige Entscheidung. Nicht, dass die K 1300 diese Strecken nicht geschafft hätte, aber die langen Federwege der Sertao haben die Fahrt doch deutlich angenehmer gemacht. Mit Blick auf Jan´s alte 80/7 ist es übrigens ganz interessant, dass so eine ganz normale Straßenmaschine früher die gleichen 200 Millimeter Federweg hatte wie heute manche Enduro.


Reifen
Als nächstes kommt die Reifenfrage. Für Bernhards und meine Enduro steht schnell fest, dass wir uns die Heidenau K60 Scout beschaffen. Aber was packt man am besten auf die 80/7? Jan entscheidet sich für die K67, ebenfalls von Heidenau.  Traditionelles Blockprofil für Oldtimer, das sich im Nachhinein als hervorragend abseits der geteerten Straßen herausstellt, aber auf der Autobahn zu ziemlicher Unruhe führt.

Werkzeug und Ersatzteile
Bei so einer Tour ist es sicherlich angebracht die wichtigsten Werkzeuge und Ersatzteile dabei zu haben. Dazu gehört vor allem alles um Reifen zu wechseln oder zu flicken. So kam für jede Reifengöße ein Ersatzschlauch ins Gepäck und dazu noch ganz einfaches Fahrradflickzeug, das auch durchaus ausreicht um bei Schlauchreifen einen Platten zu beheben. Mit dabei waren natürlich auch Montiereisen und eine kleine Luftpumpe.

Für die 80/7 war es darüber hinaus auch wichtig Spezialwerkzeug und einige kleinere Ersatzteile mitzunehmen. So kommt es immer mal wieder vor, dass der Kondensator den Geist aufgibt und dann der Unterbrecherkontakt mit kaputt geht. Beides wurde daher eingepackt. Ebenso ein paar Ersatzspeichen, da in der Vergangenheit immer mal wieder eine brach. Was das Spezialwerkzeug anging, war es eher Zufall, dass wir einen Zentrierdorn und Schrauben zum Vorspannen der Kupplung mitnahmen und später dann auch noch beides benötigten.

Ansonsten hatten wir noch Panzertape und Kabelbinder dabei. Kann man immer gebrauchen, für die Campingausrüstung, für's Gepäck und einfach für improvisierte Reparaturen.

Kartenmaterial
Am PC kann man ja noch so gut planen. Letztlich müssen wir die Straßen auch finden. Das Navi ist das eine, aber wird das auch in jeder Situation reichen? Sicher ist sicher und so beschaffe ich noch von jedem Land eine Landkarte. Diese Entscheidung war übrigens goldrichtig. Nicht selten fanden sich dort mehr Details und gerade bei der Planung des nächsten Tages bietet eine traditionelle Karte doch den besten Überblick. 
  • Ungarn, ADAC, 1:300.000
  • Rumänien, ADAC, 1:750.000
  • Türkei, ADAC, 1:800.000
  • Griechenland, Michelin 737, 1:700.000
  • Albanien, freytag&berndt, 1:200.000
  • Kroatien-Bosnien&Herzegowina-Montenegro, ADAC, 1:750.000

Packtaschen
Eines steht noch aus: Wie nehmen wir das Gepäck mit? Bei Jan´s alter BMW kein Problem. Die vor 35 Jahren selbst geschweißten Packtaschen liegen eng am Motorrad an, bieten genug Platz, haben sich hundertfach bewährt und selbst ein Sturz geht spurlos an ihnen vorüber. 

Bei der Sertao muss ich mich allerdings fragen: Was will ich eigentlich haben?

Das liegt daran, dass ich mich scheue meine Trax Alukoffer von der K1300R zu montieren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich vor einigen Jahren eine F800 GS hatte und die fühlte sich mit der schweren Halterung und den weit ausladenden Koffern einfach unhandlich an. Dazu kommt, dass Auf- und Absteigen zumindest in ungünstigen Situationen recht schwierig ist.

So entscheide ich mich für die flexiblen Ortlieb Packtaschen, die sehr leicht sind und auch vollbeladen die Sertao nicht breit werden lassen. Man schlägt sich die Knie nicht an und bei einem Umkipper geht nichts kaputt. Die Taschen sind absolut regendicht und oben drauf lassen sich problemlos Schlafsack und Isomatte befestigen. Ich habe den Entschluß nicht bereut, auch wenn mir eine der beiden ganz zum Schluss noch an den heißen Auspuff gekommen und geschmolzen ist. Nächstes Mal werde ich durch Distanzstücke vorbeugen.

Ganz nebenbei hat sich allerdings noch ein weiterer Stauraum ergeben. Da ich einen LeoVince Endschalldämpfer habe, befindet sich auf der rechten Seite ein Loch dort, wo früher der zweite Teil des Endschalldämpfers war. Beim Testbeladen baumeln die neuen Packtaschen daher planlos herum. Was tun? Kurzerhand habe ich eine kleine Box geschweißt, groß genug um alle Wertsachen aufzunehmen. Dazu kann sie mit einem stabilen Vorhängeschloss gesichert werden. Aber auch das gesamte Regenzeug kommt darin unter. Ideal für den geplanten Urlaub.

Bernhard bleibt bei seinen Plastikkoffern. Sie haben jede Menge Platz und lassen sich mit einem Griff lösen. Aber schon nach wenigen Tagen stellen sie sich als ziemlich ungeeignet heraus. Alles rappelt auf den ständigen Schlaglochpisten und beim ersten Kontakt mit einem Baumstamm zerspringt die rechte Tasche in tausend Teile.

Campingausrüstung
Es stand fest, dass jeder sein eigenes Zelt mitnimmt, da es immer mal passieren kann, dass man sich für eine Weile trennen muss. Das hat sich ja dann auch direkt am Anfang gezeigt, als Jan und ich zurückblieben um die 80/7 zu reparieren und Bernhard schon nach Rumänien voraus fuhr. Kleine, leichte Zelte reichten also aus. Und weil wir auch nicht mit längeren Schlechtwetterperioden rechneten, kamen bei Jan und mir unsere leichtesten, einwandigen Zelte zum Einsatz. Diese sind aber erstaunlich geräumig und wasserdicht.  Ansonsten hatte jeder noch einen Dreibeinhocker, selbst aufblasende Isomatte und einen dünnen Sommerschlafsack dabei. Kocher etc. haben wir nicht mitgenommen, da man in allen besuchten Ländern köstlich und preiswert essen gehen kann. So waren Jan's 80/7 und meine Sertao nur minimalistisch beladen und blieben angenehm handlich. Vor allem blieb viel Stauraum übrig, um an heißen Tagen auch noch Lederjacke und Lederhose bequem verstauen zu können. Im Rückblick hat sich wieder einmal gezeigt, dass man bei einer Fahrt in den Süden einfach nicht mehr braucht.


Helm
Eigentlich nehme ich in den Sommerurlaub immer meinen Klapphelm mit. Aus irgendeinem Grund verstärkt der aber den LeoVince Eintopf-Sound so stark, dass man es kaum ertragen kann. Da ist sogar mein alter Jet-Helm viel leiser. So fahre ich einfach mit meinem Tourenhelm und schnalle den Jet-Helm für besonders heiße Tage hinten drauf. Ihr werdet auf den Fotos also immer so eine hässliche, unförmige Plastiktüte sehen. Im Nachhinein völlig überflüssig, würde so einen Aufwand nie wieder betreiben und letztlich damit auch noch alle Fotos verschandeln.





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