Sommertour 2014

4 Wochen und 8.000 Km durch Südosteuropa

10. Juli Über die Transalpina

Heute haben wir geplant, die Transalpina hoch zu fahren und dann zu Transfagarasan hinüber zu fahren. Dann wollen wir auch noch diese überqueren und irgendwo bei Fagaras übernachten. Wie wir später sehen werden, haben wir da das Wetter und die Straßen überschätzt. So schnell ist man hier in Rumänien nicht. Aber dazu später.

Zunächst einmal fahren wir bei strahlendem Sonnenschein in Sebes los. Die ersten Kilometer der 67C sind hervorragend ausgebaut und wieder einmal neige ich dazu etwas zu sehr die Kurven zu genießen. Irgendwann ist nämlich Schluss damit. Quer über die Straße führt ein 50 cm breiter Graben, der mehr schlecht als recht mit Schotter aufgefüllt ist. Ein Riesenschreck hinter einer Kurve! Hatten wir doch schonmal und so beschließe ich jetzt etwas mehr aufzupassen. Und das ist auch gut so. Auf den nächsten 40 Kilometern findet man diese Hindernisse alle paar hundert Meter und wir freuen uns über unsere großen Federwege.



Es ist eine schöne Fahrt durch ein wildes Tal. Irgendwann erreichen wir einen See, den Lacul Oasa. Eine Landschaft wie in Schweden. Jeder von uns ist begeistert. Es ist windstill und die Spiegelungen im Wasser laden zu einer Photopause ein.


Bei der kleinen Pause treffen wir auch noch zwei andere Motorradfahrer, die in zwei Wochen von  der Schweiz über Tschechien, Polen, Slowenien, Rumänien und dann durch die ganzen Balkanstaaten wieder in die Schweiz fahren wollen. Auch nicht schlecht. Aber einer der beiden hat einen Sportler und der ist über die letzten Kilometer doch recht am fluchen. Dafür ist es immer wieder toll zu sehen, wie die alte 80/7 mit solchen Strecken umgeht. Damals war ein vorderer Federweg von 200 mm ganz normal. Heute ist er Enduros vorbehalten.


Hinter dem Lacul Oasa ist die Straße dann irgendwann richtig gut ausgebaut. Herrliche Kurven reihen sich aneinander. Ein wahres Motorradparadies. Entsprechend viele Motorradfahrer treffen sich daher auch an der kleinen Imbissbude an der Kreuzung mit der 7A bei Obarsa Lotrului.


Der Imbissstand ist wirklich toll. Das Wasser für den Kaffee wird im Wohnwagen auf einem Gaskocher erhitzt und auf einem Holzkohlegrill werden die Hackfleischbällchen gegrillt. Die kosten umgerechnet gerade mal 50 Cent. Reicht aus um ständig neue Gäste anzuziehen.


Es geht weiter die eigentliche Passstrecke hoch. Eine tolle Straße mit Serpentinen und einem herrlichen Blick auf die Gebirgslandschaft. Sieht man in den Alpen überwiegend Rindviecher auf den Almen (ich meine die Tiere), so sind es hier Schafe und Esel. Scheinen sich wohl zufühlen und lassen sich durch die Fahrzeuge und photografierwütige Touristen nicht stören.




Die Berge sind hier zwar recht hoch, aber nicht sehr schroff. So hat man freien Blick nach allen Seiten und je höher man kommt, umso weiter wird der Blick.

Oben angekommen, hat sich das Wetter ziemlich eingetrübt. Aber vielleicht macht gerade das den Reiz dieser einsamen Landschaft aus. Die Wettervorhersagen verheißen nichts gutes: Heftige Gewitter am Nachmittag. Daher beschließen wir, nicht mehr die vorgesehene Runde über Targu Jiu und Petrosani zu fahren, sondern wieder ins Tal zu fahren und von dort Richtung Transfagarasan aufzubrechen.



Der Panoramablick zeigt sehr schön den Charakter dieser Berge, die eher einer gewaltigen hohen Mittelgebirgslandschaft gleichen als einem Hochgebirge. Leider nicht zu erkennen sind die vielen kleinen, ungeteerten Wege, die sich durch das ganze Gebiet ziehen. Ideale Endurostrecken. Ich glaube, hier werde ich nochmal speziell für deren Erkundung vorbeischauen müssen.


Schafe wo man auch hinschaut

Hier oben gibt es eigentlich keine landschaftlichen Highlights wie vielleicht in den Dolomiten. Aber dafür immer wieder viele Details, die in Kombination einen unglaublichen Reiz haben und uns immer wieder zu einer Photopause einladen. 


Was das Wetter anging, war unsere Entscheidung umzudrehen richtig. In Brezoi scheint die Sonne, es ist warm und wir beschließen eine Mittagspause zu machen. Toll, wie freundlich die Leute hier alle sind und wie gut das Essen ist.


Kurz hinter Brezoi versuchen wir in Calimanesti die Abzweigung nach Suici zu finden. Quasi eine Abkürzung zur Transfaragasten hinüber. Sowohl bei Google als auch auf unseren Karten ist die 703G gut zu erkennen. Hier merken wir aber erstmals, dass Praxis und Realität auseinanderdriften. Nirgendwo Schilder, dort wo im Navi Straßen sein sollen, sind keine zu sehen und die Einheimischen geben uns nacheinander alle unterschiedliche Tips. Schließlich finden wir eine Straße, die in die richtige Richtung zu führen scheint. Wir folgen ihr und landen dann an dieser Stelle, wo drei Straßen gleich schlechten Zustandes in alle Himmelsrichtungen abgehen. Wir entscheiden die zu nehmen, die immerhin noch über Warnschilder .


Wieder fängt es an zu regnen. Kurz nach der Abzweigung auf dem letzten Bild wird der Weg ziemlich steil und ausgewaschen. Durch den Regen ist es richtig rutschig. Das "Schleuder"-Schild hat durchaus seine Berechtigung. Als der Regen in einen Platzregen übergeht, stellen wir uns unter. Zum Glück wird es nach 15 Minuten besser und wir können weiter fahren.

Kaum ist der Regen vorbei, kommen überall Mensch und Tier aus ihren Häusern hervor. Landleben, das wir bei uns so schon lange nicht mehr sehen.

Etwas nördlich von Suici ist in unserer Karte eine Straße zur Transfagarastan hinüber eingezeichnet. An dieser Brücke bestätigen uns Einheimische, dass wir den richtigen Weg gefunden haben. Keine Frage, hier werden wir zum Ziel kommen.


Irgendwann wieder mehrere Abzweige mitten im Wald. Wir entschließen uns den größten Weg zu nehmen. Wahrscheinlich war das falsch. Als ich abends unsere Route anhand der GPS Koordinaten meiner Photos auswertete, wurde klar, dass wir zu weit nach Norden geraten waren. So wird der Weg immer schlechter. Schließlich erreichen wir eine Stelle, wo er durch Waldarbeiten vollkommen durchpflügt ist. 

Jan und ich haben das rutschige Stück schon ohne Probleme hinter uns gebracht, als Bernhard zurück bleibt. Er ist mit der Packtasche an einen Baumstamm hängengeblieben. Jetzt haben wir ein Problem. Die Packtasche ist zerstört. Mittels Panzertape flicken wir sie notdürftig, dann geht es weiter.




Wieder wird der Weg schlechter. Diesmal geht es ziemlich steil einen Hohlweg hinab und ein Ende ist nicht abzusehen. Wenn es da unten nicht weiter geht, werden wir ein Problem haben. Also entscheiden wir zu wenden und den Hohlweg wieder hochzufahren. Kein Problem für die Sertao und auch die alte Gummikuh ist mit ihren Stollenreifen hier in ihrem Element. Bernhards F650 hingegen ist so niedrig, dass sie immer wieder hängenbleibt und aus der Spur gerät. Da hilft nur schieben. 

Bei der Schiebeaktion werden wir von einer Muttergottes aus einer kleinen Holzkapelle im Wald "beobachtet". Wer diese Kapelle wohl hier hin gebaut hat, und warum?


Jan ist der letzte, der nun ganz alleine zurecht kommen muss. Das klappt problemlos. Oben angekommen, regnet es schon wieder und in einer Stunde wird es dunkel. Wir müssen unseren Versuch zur Transfagarasan zu queren, abbrechen und fahren auf dem schnellsten Weg nach Curtea de Arges. Völlig verschmutzt kommen wir dort an und sind froh sofort ein Hotel zu finden, wo wir unsere Sachen reinigen und trocknen können.


p.s.: Das sind die kleinen Abenteuer, die Spaß machen und von denen man später erzählt ;)

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