Sommertour 2014

4 Wochen und 8.000 Km durch Südosteuropa

25. Juli Über Shkoder nach Dubrovnik

Heute haben wir geplant bis Dubrovnik zu fahren. Sind ca. 300 Km, die kein Problem sein sollten, zumal wir früh aufgestanden sind. Aber nach den ersten Kilometern ahnen wir schon, dass wir bis Shkoder tausende von Kurven fahren müssen. Mal schauen, wann wir in Dubrovnik ankommen.

Zuerst aber schaue ich mir bei Tageslicht an, wo wir gestern abend gelandet sind. Die linke Haushälfte ist unser Hotel und man kann gut die Stufen zur Terasse erkennen, die wir gestern abend mit den Motorrädern bewältigen mussten.


Die Gegend ist recht hübsch, die Gärten erinnern mich an meine Kindheit und die Besuche bei meinen Großeltern in einem kleinen Allgäuer Dorf. Aber man sieht auch wie sich das Land entwickelt. Das Haus hinter dem Garten sieht neu aus und ist sehr gepflegt.


Diese Entwicklung kann man auf allen Ebenen bemerken. Albanien hat den Status eines EU Beitrittskandidaten und wird entsprechend gefördert. Sehr häufig sieht man Schilder der deutschen, staatlichen KfW Bankengruppe. Teils sind es kleinere Projekte wie das hier gezeigte, im Internet finden sich aber auch Förderungen in zweistelliger Millionenhöhe, vor allem für Energieprojekte. Albanien macht was draus.



Die Fahrt beginnt wieder mit einem kleinen Erlebnis. Vor uns ein Moped mit deutschem Nummernschild. Wirklich? Sieht so komisch zweigeteilt aus. Da wurde ein langes deutsches Schild einfach geteilt und beide Teile untereinander befestigt. Ob es in Albanien jemanden gibt, der glaubt das sei ein gültiges Kennzeichen? Naja, wenn man nur im Ort und auf Feldwegen fährt, reicht es vielleicht. Aber die beiden fuhren mit diesem Moped kilometerweit auf der Hauptstraße. Bestimmt 40 km und das wie die Teufel. Immer wenn wir eine Photopause machten, sausten sie wieder an uns vorbei.


Die SH5 windet sich durch eine sagenhafte Landschaft. Berge soweit das Auge blickt. Auch heute könnte eigentlich wieder so ein Photo Tag werden wie gestern. Aber wir haben noch viel vor uns und durch den oft schlechten Straßenzustand geht es langsamer voran als geplant. Also minimieren wir die Photopausen. In diese Gegend werde ich auf alle Fälle nochmal kommen. Insbesondere in die Seitentäler. Die Albaner gestern abend haben richtig davon geschwärmt und ähnlich äußern sich auch die vielen Motorrad- und Geländewagenfahrer die im Internet über eine Fährfahrt auf dem Komaner See berichten und dann in dieser Gegend wieder Richtung Kukes fahren.





Irgendwann kommen wir in Puke an und kaufen unser Frühstück. Einen köstlichen warmen Maismehlfladen, Obst, Gemüse, Käse und Wurst. Inmitten herrlicher Natur machen wir kurz danach eine Pause und genießen diese Leckereien.


Langsam ist der Scheitelpunkt dieser Strecke erreicht und allmählich beginnt der lange Abstieg in Richtung Shkoder. Durch eine wilde, zerfurchte Landschaft geht es kontinuierlich bergab. Man merkt es an der zunehmenden Temperatur.


Irgendwann haben wir dann den freien Blick auf das Tiefland und das Meer in der Ferne. Ein letzter Abstieg und wir erreichen den ersten Ort im Tiefland. Es herrscht eine Affenhitze. Erste Aktion: Die Lederjacke ausziehen und verpacken. Danach erstmal eiskaltes Wasser kaufen und trinken. Kurz danach tausche ich die Lederhose gegen eine kurze Hose und die Stiefel gegen Turnschuhe.


Auch geländegängige Wohnmobile verproviantieren sich hier. Ob die auf dern An -oder wie wir, auf der Abreise sind?


Nach einer Weile kommen wir auf eine der großen Durchgangsstraßen, die SH1 oder auch E851, die uns nach Shkoder führt. Vorbei ist es mit der Ruhe der Bergwelt. Hier ist der Verkehr so, wie viele Albanienbesucher geschildert haben. Hektisch und lebensgefährlich. Ich halte mich hinter einem Lastwagen, weil der so eine Art Rammbock darstellt, der uns im Notfall vor rücksichtslos überholenden Autos und Kleinbussen schützt.

Am Ortseingang von Shkoder biegen wir links ab in Richtung auf die montenegrinische Grenze. Bevor wir diese erreichen, wollen wir tanken um unsere restlichen Lek zu verbrauchen. Auf der Zapfsäule stehen die Preise in Euro. Erster Gedanke: Die haben sie bei uns geklaut und einfach nicht umgestellt. Die Preise sind aber bestimmt Lek. Dann sehe ich, dass hier alles in Euro ausgezeichnet wird und als wir dem Tankwart unsere Lek anbieten, zückt er einen Taschenrechner und muss Euro in Lek umrechnen. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Euroland ist doch noch fern, oder?

Wie auch immer, es geht weiter zur Grenzstation. Eine riesige Schlange, aber jeder sagt uns, wir sollten ohne Motorräder daran vorbei laufen und in das Häuschen links von der großen Polizeistation gehen. Wir verstehen das zwar nicht, tun es aber. Dann sind wir unsere Pässe los und der Beamte sagt uns, wir sollten weiter nach Montenegro laufen. Häh? Und wo bleiben die Motorräder? Wir hören nur so etwas, das wir als "weiter, weiter, weiter" deuten und machen uns auf den Weg. Da kommt schon wieder wer in einer anderen Uniform auf uns zu und meint Stop. Wir sollen zurück gehen. Das tun wir dann auch und brauchen den albanischen Grenzbeamten schon gar nicht zu fragen. Er sagt sofort, wir sollten nach Montenegro gehen, das gleiche wie vorhin. Aber jetzt klärt sich die Sache doch noch. Die albanischen und die montenegrinischen Beamten sitzen im selben Häuschen, quasi am gleiche Schreibtisch und haben eine kleine Durchreiche um sich gegenseitig die Pässe zu geben. Wir mussten also nur einen Schritt zur Grenzstation von Montenegro laufen! Der Grenzer hatte unser Hin und Her wohl schon beobachtet und reicht uns grinsend unsere Pässe. Danach können wir wieder nach Albanien zurück laufen, unsere Motorräder holen und an der ganzen Schlange vorbei fahren.

Es ist schon Mittagszeit und ziemlich heiß. Wir beschließen nach Ulcinj hinein zu fahren und dort eine Pause zu machen. Der Ort sieht im großen und ganzen so aus, wie ich ihn noch aus der Zeit des alten Jugoslawien kenne. Sehr touristisch, aber irgendwie auch schön. Deutsch scheint hier die zweite Sprache zu sein und der Euro ist die Währung. Ganz offiziell übrigens, obwohl Montenegro nicht zu den Euro Staaten gehört. Das Land hat keine eigene Währung und vor 2002 wurde die DM als Währung verwendet. Ganz gut nachzulesen bei Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Montenegro_und_der_Euro



Der Tourismus ist für uns ein krasser Gegensatz zur Einsamkeit der Berge in den letzten Tagen


Wir fahren weiter und sehen irgendwann eine malerische Insel mit einem Ort darauf. Dieser füllt die Insel vollständig aus. Da passt es gut, dass es hier auch einen Parkplatz gibt, wo wir anhalten können. Ein Photo muss schon sein und eine kleine Pause schadet auch nicht.



Wir sind hier nicht die einzigen Motorradfahrer. Ein Kroate mit seinem Yamaha Eintopf spricht uns in bestem Deutsch an. Er ist mit seinem Sohn unterwegs und schnell stellt sich heraus, dass er ganz grob unsere Route über Albanien, Griechenland usw. rückwärts fahren will. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus und raten ihm insbesondere zu der schönen Strecke von hier nach Kukes und dann weiter nach Peshkopi.


Nach kurzer Pause geht es weiter. Leider zieht wieder einmal ein Gewitter auf, aber wir haben die Hoffnung ihm noch zu entkommen. So fahren wir ziemlich zügig und sehen die herrliche Gegend, vor allem in der Bucht von Kotor nur im Vorbeifahren. Dennoch gelingt es mir wenigstens zwei Photos von den Inseln mit ihren malerischen Kirchen zu machen. Die Bucht ist einfach toll. Inmitten irrer hoher und sehr steiler Berge liegt die Meeresbucht wie ein norwegischer Fjord.






So schön die Bucht ist, so sehr zieht sich die Fahrt um sie herum in die Länge. Es dämmert schon etwas, als wir die Grenze nach Kroatien erreichen. Wieder einmal Kontrollen ohne Ende. Wir unterhalten uns mit einem finnischen Motorrad-Pärchen, die genau unsere Tour gemacht haben. Nur sind sie halt von Finnland losgefahren und blieben von Istanbul nach Thessaloniki auf dem Festland. Irgendwann kommt eine Grenzbeamtin zu uns und fragt, wo wir her seien. Aus Deutschland. Das kontrolliert sie gar nicht, schaut auch nicht auf die Nummernschilder und sagt wir könnten einfach weiterfahren. Gesagt getan und schon sind wir in Kroatien.


Hier empfängt uns eine Straße im westlichen Standard. Kroatien ist sicherlich eines der Balkanländer, die am weitesten entwickelt sind und sich fast nicht mehr von den alten Kernstaaten der EU unterscheiden. Recht zügig geht es bis Dubrovnik, wo wir aber dennoch erst im Dunkeln ankommen. Schnell noch das Zelt aufgebaut und im Campingplatzrestaurant etwas gegessen, dann fallen wir schon in unsere Schlafsäcke. Gerade mal dreihundert Kilometer sind wir gefahren und haben dafür gut 14 Stunden gebraucht. Übermorgen wollen wir zuhause sein und es sind immer noch 1.600 Km zu fahren. Puh!

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